logo Donnerstag, 23.01.2014
Ein Abend mit Gedichten und etwas Prosa, vorgetragen von Joachim Kersten und Stephan Opitz

Peter Rühmkorf und die großen Vier: Gottfried Benn, Bertolt Brecht, Joachim Ringelnatz und Walther von der Vogelweide.



„Wenn es für Lyrik ein unentäußerbares Gesetz gibt, es heißt: Konzentration, Kondensation. Intensität; im Gedicht muss in jeder Zeile etwas passieren, Formales, es geht darum, Energie zu akkumulieren, sprachliche Spannungen zu erzeugen, Elektrizität zu ballen, der Lyriker muss mit vier Zeilen einen Mann umlegen können; wer sich nicht zusammennehmen kann, soll Romane schreiben, für die Lyrik taugt er nicht.“

Leslie Meier alias Peter Rühmkorf schrieb dies im Jahr 1956 – in seinem Todesjahr 2008 schrieb die FAZ, dass „der bedeutendste deutschsprachige Dichter der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts“ gestorben sei.

Kein anderer deutschsprachiger Schriftsteller des 20. Jh.s. stand bewusster und kundiger in der Tradition deutschsprachiger Dichtung, schrieb darüber und lebte in und mit ihr. Kein anderer Lyriker brillierte mit Gedichten, deren souveräne Formenlust, ob gereimt oder in freien Rhythmen, ebenso zu bestaunen ist wie ihr absolut unverwechselbarer Rühmkorf-Sound. Und sein Leben lang bestaunte, achtete, behandelte Rühmkorf in Wort und Schrift die Gedichte von Gottfried Benn, Bertolt Brecht, Joachim Ringelnatz und Walther von der Vogelweide; die Gedichte des ältesten in dieser Reihe hat er in bis heute lebendiges und unübertroffenes Gegenwartsdeutsch übertragen.

Den Abend gestalten die beiden Testamentsvollstrecker Rühmkorfs, der Hamburger Rechtsanwalt Joachim Kersten und der Kieler Universitätsprofessor Stephan Opitz. Sie lesen Gedichte der Großen Vier und von Peter Rühmkorf, dazu Prosa von Rühmkorf über die Großen Vier. Kersten & Opitz sind in den letzten Jahren mit Lesungen von und zu Rühmkorf durch ganz Deutschland gereist; im April 2008 nahmen sie gemeinsam mit dem damals schon todkranken Dichter die Hör-CD zu Rühmkorfs letztem Gedichtband ‚Paradiesvogelschiß‘ auf. Kersten & Opitz erschließen für die Arno Schmidt Stiftung auch den im Deutschen Literaturarchiv Marbach/Neckar aufbewahrten Nachlass Peter Rühmkorf.

Peter Rühmkorf zur Umfrage «Der andere Kanon» in Literaturen 1-2/02, in der Autoren ihre Lieblingsbücher nennen sollten: „– Pardon, zu spät: Anfragen dieser oder ähnlicher Art durchlöcherten meine Wohnkommode wie Schrotschüsse, und, wie es leider so ist, wenn man nicht sofort rangeht, landet die Rückpost im Postfestum. Bin ja durchaus alter Kanon-Kanonist, aber die Beschränkung auf ein Buch bildet bereits eine erste Besinnungshürde, einen Bedenklichkeitswall, denn: sage ich einerseits Döblin «Alexanderplatz» (experimenteller Realismus!), meldet sich sofort Jahnns «Niederschrift des Gustav Anias Horn» zu Wort, und dann – ja! – schreit augenblicklich die Lyrik als Ganze auf, ich meine, als Gattung: und da ist dann fast kein Halten mehr: zunächst die beiden großen Systembildner Benn und Brecht, aber dann auch gleich Ringelnatz und andere seltsam zusammengebackene Typen, also wahrhaftige Tantalusqualen der Unentschiedenheit, hier sitze ich unter einem ganzen Sternenhimmel von Astren und Asterixen, ich kann nicht anders.“

Am Donnerstag, 10. Oktober, 20.00 Uhr
In der Wagenremise
Kunstwerk Carlshütte, Vorwerksallee 3, 24782 Büdelsdorf

Eintritt: : 14 Euro / 10 Euro erm.
Die Ermäßigung gilt für Schülerinnen und Schüler, Studierende, Azubis, Wehr/Bundesfreiwilligendienstleistende, Menschen mit Behinderungen, Freundeskreis Carlshütte, NDR Kultur Karten Inhaber, Hamburger Abendblatt Treuekarten-Inhaber.
Reservierungen: info@kunstwerk-carlshuette.de oder telefonisch unter 04331- 354 695 Bezahlung erfolgt an der Abendkasse



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